Homöopathie in Aktion

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Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte

Ein 12jähriger Junge, kommt in Behandlung wegen Panikattacken.
Sie ereignen sich regelmäßig in der Schule und sind so heftig, dass er schon seit Wochen den Unterricht nicht mehr besuchen konnte. Die Panik taucht vor allem auf, wenn die Schüler im Schulflur dichtgedrängt und laut unterwegs seien. Er möchte dann fliehen, versuche – vergeblich - schnell wegzulaufen. Aber dann würden seine Muskeln schwach und er bekomme einen Tunnelblick, ...   mehr »

Aktuelles

Januar 2019:

Fachtag Interkulturelle Medizin in Augsburg

„Würden Sie in der Therapeut-Patient-Beziehung oder sonst im Alltag bei einem Deutschen nach dem Befinden seiner Familie fragen? ...Genau das ist für einen Iraner Zeichen einer wertschätzenden und fachlichen Kompetenz", so Dr. Dr. Rahim Schmidt in der Ankündigung seines Buches „Interkulturelle Medizin und Kommunikation".

Herr Dr. Rahim Schmidt hielt kompetent und humorvoll den Einführungsvortrag beim Fachtag „Interkulturelle Medizin", zu dem der Verein FiLL e.V. (unter Vorsitz von Prof. Dr. Leonie Herwartz-Emden) in Augsburg eingeladen hatte, und den die Projektleiterin unseres Projektes „Homöopathie für Flüchtlinge", Dr. Maria Möller, mitgestaltet hat. 140 Interessierte aus verschiedenen Fachgruppen nahmen teil.

Wenn „die Leber brennt", so Dr. Schmidt, ist das kein Grund, Menschen aus Ländern wie Iran, Türkei und auch Frankreich sofort zum Gastroenterologen zu schicken oder zu repertorisieren: Leber, Schmerz, brennend, sondern das ist vielmehr ein Ausdruck von Liebesverlust und gleichbedeutend mit „Herzschmerz" in Deutschland.
Auch im Blickkontakt und dem räumlichen Abstand entstehen leicht Missverständnisse. Menschen kommunizieren unterschiedlich, Deutsche immer auf der Sachebene: „Wo tut es weh?", Menschen aus dem Orient auf der Beziehungsebene mit verallgemeinernder Sprache. Möglicherweise erzählen sie gar nichts von ihren Beschwerden, denn der Arzt muss es doch schließlich wissen, er hat ja studiert.

Für eine kompetente medizinische Versorgung von Migranten und Flüchtlingen ist die Akzeptanz von Vielfalt und eine Sensibilisierung für kulturelle Unterschiede unerlässlich, so Dr. Margret Spohn, Leiterin des Büros für Migration, Interkultur und Vielfalt der Stadt Augsburg. Die Referentin zeigte kulturelle Unterschiede auf – einen Kranken lässt man nicht allein (z.B. 6 Besucher im Krankenzimmer) – oder – ein Kranker braucht Ruhe - was durchaus Konflikte auslösen kann.
Das Wissen um andere Annahmen und Erwartungen ist wichtig, aber nicht jedes Verhalten ist kulturbedingt, wir dürfen nicht kulturalisieren oder ethnisieren, müssen immer individualisieren. Alle gleich behandeln heißt nicht unbedingt Gerechtigkeit, das brachte die Referentin einleuchtend in Bildern und Cartoons zum Ausdruck (wenn 3 unterschiedlich große Menschen versuchen über einen Zaun zu schauen, reicht es nicht, jedem eine Kiste zur Verfügung zu stellen, sondern die Menge der Kisten muss der Größe des Einzelnen angepasst werden, damit jeder etwas sehen kann).

Zum Thema Traumatisierung referierte Frau Maria Johanna Fath vom Traumahilfenetzwerk Schwaben. Sie zeigte die Grundlagen der Traumatisierung auf sowie die Veränderungen der Informationsverarbeitung im Gehirn durch eine lebensbedrohliche, hochgradig ängstigende und ausweglose Situation. Ist weder Flucht noch Kampf möglich (no fight - no flight), kommt es zum Erstarren (freeze). Durch die Stresshormone werden die Emotionen eingefroren und als Erinnerungssplitter (Fragmente) isoliert im Gehirn abgespeichert. Sie sind dann nicht mehr zugänglich. Bei der post-traumatischen Belastungsstörung kommt es in der Folge zum sog. Hyperarousal (Unruhe, Schreckhaftigkeit, Schlafstörung...), Vermeidung (Isolation, Betäuben, Alkohol...) und Wiedererleben (Alpträume, Panik, Grübeln...).
Zur Stabilisierung bedarf es in erster Linie Sicherheit und Zukunftsperspektive, was im Asylverfahren leider oft nicht gegeben ist. Zu verstehen lernen, dass die Traumafolgestörung eine normale Reaktion auf eine unnormale Situation ist und dass die Arbeit mit Ressourcen bei der Behandlung von großer Bedeutung ist.
Auch betonte Frau Fath das ABC des Helfers zu beachten: Achtsamkeit – Balance – Connection, um eine sekundäre Traumatisierung beim Behandler zu vermeiden.

Über das schwierige Thema der weiblichen Genitalverstümmelung, FGM, informierte die Münchner Gynäkologin Frau Eiman Tahir in beeindruckender und einfühlsamer Weise, mit dem sie sich schon seit ihrer Doktorarbeit in Afrika befasst hat, und sie verstand es, uns zu sensibilisieren. Von der schweren Aufklärungsarbeit und eigenen schlimmen Erfahrungen berichtete auch Frau Fadumo Korn vom Verein NALA e.V., München. Einen sehr guten Ansatz zeigten zwei Change-Agents aus Berlin auf, von LET'S CHANGE, einem Projekt von TERRE DES FEMMES. Es setzt in den Communities an und bildet weibliche und männliche Multiplikatoren aus den afrikanischen Communities aus, um in Europa gegen FGM vorzugehen.

Nach den Vorträgen konnten die Teilnehmer des Fachtages an 6 Thementischen im Rahmen eines „Weltcafés" miteinander ins Gespräch kommen und so Problem- oder Fragestellungen in Kleingruppen intensiv diskutieren und reflektieren.
An dem Tisch "Stabilisierung für traumatisierte Flüchtlinge" wurde u.a. unser Projekt „Homöopathie für Flüchtlinge" vorgestellt. Projektmitglieder aus Bayern und Baden-Württemberg waren angereist und so entwickelten sich zusammen mit weiteren Tischgästen informative und sehr interessante Gespräche . So konnten wir erleben, dass das Flüchtlingsprojekt von HOG und HiA lebendig bleibt.

Buchempfehlung: Dr. Dr. Rahim Schmidt, Interkulturelle Medizin und Kommunikation, 2017, ISBN 978-3-7431-2337-3

Zusammenfassung durch Dr. Maria Möller vom Flüchtlingsprojekt und von HiA

 

Dez. 2018:

München-dankt-Preis für vier Kolleginnen der Münchner Gruppe!

Wir freuen uns, dass auch 2018 wieder Kolleginnen der Münchner Gruppe von "Homöopathie für Flüchtlinge in Deutschland" den Preis "München dankt" für ihr Engagement in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften erhalten haben.  mehr »